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Theater: Hedda Gabler - Schaubühne Am Lehniner Platz Berlin
Hedda Gabler - Schaubühne Am Lehniner Platz Berlin
Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur; er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den attraktiveren und begabteren Lövborg, hat Hedda abblitzen lassen. Lövborg war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen.
Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Lövborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein Aufsehen erregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben, und dessen überwältigendes Echo lässt Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, beginnt sie, sich und ihre Umwelt zu hassen und läuft Amok: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn . . . Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören.
In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als zusammengehörige Klasse mit gemeinsamen Werten ist das Bürgertum heute schwer auszumachen, aber die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, sind heute in alle finanziellen Schichten der Gesellschaft diffundiert. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden.
Die Mitglieder der TheaterGemeindeBerlin haben Thomas Ostermeiers Inszenierung von "Hedda Gabler" zur "Aufführung des Jahres 2006" gewählt. Katharina Schüttler erhielt für ihre Darstellung der Hauptrolle den deutschen Theaterpreis "Der Faust" in der Kategorie "Beste darstellerische Leistung Schauspiel". Bereits im August 2006 war Katharina Schüttler von "Theater heute" zur "Schauspielerin des Jahres" gewählt worden.
Regie: Thomas Ostermeier
Mit Kay Bartholomäus Schulze, Lars Eidinger, Annedore Bauer, Jörg Hartmann, Lore Stefanek und Katharina Schüttler
"Nach der erfolgreichen ,Nora' inszeniert Thomas Ostermeier wieder einen Stoff von Henrik Ibsen: Und auch hier geht es um zerplatzte Lebensträume und das enge Korsett der Bürgerlichkeit, dass der Ehefrau ,Hedda Gabler' die Luft abschnürt (...) die Männer in Ostermeiers modernem Puppenheim sind hingerissen und verunsichert von dieser lasziven Zockerin. Eine ungewöhnlich junge, coole Hedda Gabler. (...) Selbst in den seltenen Gewaltausbrüchen ihres sonst so langweiligen Ehemanns behält sie die Kontrolle. Diese Hedda Gabler provoziert - sie wird aber nicht einfach als gewissenlose Schlampe denunziert. (...) In den klinisch-kahlen Räumen hängt schwer die Angst vor sozialem Absturz. Hedda versucht durch ihre Provokationen diese Agonie zu durchbrechen. (...) Diese Hedda Gabler nervt. Sie ist eine Zumutung - aber derart konsequent, dass Ostermeiers Ibsen-Aufführung soghaft auf ihr katastrophales Ende zuläuft. Spannendes Theater - wie ein dichter, böser Film." (RBB)
"Ein toller Thriller, gegriffen aus dem Leben hinter der gutbürgerlichen Fassade. Ganz cool, geradezu boulevardesk auf dem rotierenden Silbertablett demonstriert wie ein prickelndes Laborexperiment: auf der Couch im Salon hinter Glas (Bühne: Jan Pappelbaum). Der perfekt konstruierte Schmarrn von vor gut 100 Jahren: Er könnte sich just in den Kudamm-Seitenstraßen der Gegenwart zugetragen haben.Ja doch, Kammerspiele verstörend nüchtern und ohne Fisematenten abspulen, das kann Ostermeier gut wie kaum ein anderer." (Die Welt)
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Hedda Gabler: Berlin
» Schaubühne am Lehniner Platz
- Mittwoch, 07. Januar 2009, 20:00 Uhr - [verfügbar]
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